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Sprecher: Der Schauspieler Harald Effenberg Trompete, Komposition, Arrangement: Matthias Harig |
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Blut-ver-teil-ung. Teil-ver-blut-ung. Ver-teil-blut-ung.
Der Mensch ist - Ein feiger Vor-sich-selbst-Verstecker?
Obwohl wir ohnehin nur einen verschwindend kleinen Teil unseres Gehirns benutzen,
-Männer & Frauen dazu noch in unterschiedlichen Regionen-, verordnen
wir unserer Wahrnehmung zusätzliche Sichtblenden. Sittliche, sinnliche, religiöse
Fangzäune, die uns nur das sehen lassen, was wir sehen wollen.
"Warum wird beim HappyEnd im Film jewöhnlich abgeblendt?", fragt Tucholsky
- weil, wenn es weiterginge, die ganze Erbärmlichkeit des Lebens sichtbar
würde. Seitensprünge. Routine. Frust. Disharmonie. Grauer Alltag. Langeweile.
Älterwerden. Krankheiten. Tod. Eben das, was in der Wirklichkeit auf das
HappyEnd folgt.
Was die Glitzerwelt ausklammert, wird in der Blutverteilung ausdrücklich
aufgeschlagen. Vergänglichkeit, Verfall, die Endlichkeit des Seins. Der Tod
als passive Fortsetzung des Lebens.
Spätestens jetzt erwartet der Hörer Pathos & Tristesse.
Doch nichts davon. Die Harmonie von Text & Musik benutzt Wörter &
Töne, die an Sonette erinnern, Laute mit denen man für gewöhnlich die Sehnsucht
nach einem lieblichen, unerreichbaren Frauenkörper beschreibt. Anlässe,
die der Mensch zu verdrängen pflegt, werden zu fast tänzerischen Liebesoden.
"Zu viel gelitten und zu viel gewusst", heisst es an einer Stelle. Aber der
Umkehrschluss funktioniert noch viel weniger. "Nichts gewusst & trotzdem
gelitten" ist eine Zumutung. Und "nichts gewusst & nie gelitten" wäre
das Bekenntnis, am Leben nicht teilgenommen zu haben.
Dichter üben sich in der Ironie des Schreckens, baden in den Abgründen
ihrer dunklen Seiten, schwelgen lustvoll im makaberen Schlamm ihrer Fantasie.
Beaudelaires
euphemistische Beschreibung eines Stücks Aas, das am Wegesrand fault, ist
eine glänzende Miniatur poetischer Verklärung.
"Der Mensch ist schlecht...Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig",
sagt Kästner.
Und der Tod ist vernünftig. Als Konsequenz wie in seiner unabdingbaren Zuverlässigkeit.
Oft wird ihm die Schuld an Alter & Krankheit vorgeworfen. Dabei hat er
mit beiden nichts zu tun. Das Alter ist ein biologischer Prozess & viele
Leute erkranken, ohne zu sterben.
"Hör zu", raunt Gottfried Benn,
"so wird der letzte Abend sein, wo Du noch ausgehen kannst!" Und die Trompete
spielt dazu, als werde es ein ganz besonders schöner Abend.
Der Mensch ist - Ist er so?
(Karlheinz Freynik)
Eine neue Konfrontation der beiden Medien Sprache und Musik auf vollkommen
gleichberechtigter Ebene:
Das Gedicht ist Teil des musikalischen Arrangements; gleichzeitig bestimmt
es das Tempo und die Intensität der eigens für dieses Projekt geschriebenen
Musik, die zwischen festgelegten Teilen und Improvisation schwerelos wandert.
Die Auswahl der Gedichte fand hauptsächlich unter
rhythmischen und melodiösen Aspekten statt
und führte doch zu - wenn auch weit gefaßter - gemeinsamer Thematik: den
Triebfedern menschlichen Handelns.
Viel Spass beim Zuhören und -schauen!
Premiere war am 26.01.2000 im Theater unterm Dach, Danziger Str. 101, 10405 Berlin (mit Bernd Kuchenbecker am Bass)
Aufführungen demnächst:
21.10.2006 um 20:00 Theaterschiff
in Potsdam
Das Theaterschiff liegt im Zentrum
von Potsdam im Havelarm,
Alte Fahrt.